Raus aus der Komfortzone

Mittwoch, 18. Mai 2016

Raus aus der Komfortzone

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie auf der Stelle treten und nicht weiterkommen? Trainieren Sie z. B. seit Monaten, doch zeigen sich keine neuen Muskeln. Vielleicht verlassen Sie Ihre Komfortzone zu selten und deshalb stellen sich keine Erfolge ein.

Die Komfortzone ist ein psychologisches Konzept. Der Begriff steht für einen Raum, in dem Aktivitäten einem unbewussten Muster folgen. Man fühlt sich darin angenehm, es ist komfortabel und sicher, Stress und Risiko werden minimiert. Man befindet sich in seiner persönlichen Wohlfühlzone.

Vielleicht stellen Sie sich jetzt die Frage: Warum sollte ich diese Zone verlassen? Schließlich fühle ich mich doch so wohl in ihr. Die Antwort ist einfach: Bleiben Sie in Ihrer Zone, gibt es keinen Fortschritt. Die Grundlage für Wachstum ist nämlich der so genannte Eustress. Das ist positiver Stress, ein Stress der fordert, aber nicht überfordert. Eustress macht den Unterschied zwischen stetiger Leistung und optimaler Leistung. Stetige Leistung existiert in der Komfortzone, doch hält man sich selbst damit zurück. Das eigene Potenzial wird nicht ausgeschöpft, mit der Zeit tritt Stillstand ein, dann fällt die Leistung ab. Das eigene Leben wird gleichbedeutend mit Rückschritt.

Das kann man bspw. gut beim Sport sehen. Nehmen wir an, Sie sind unsportlich und beginnen jetzt mit einer regelmäßigen Trainingsroutine. Sie gehen aber nie an Ihre Leistungsgrenze. Was passiert? Sie werden eine Zeit lang stetig Fortschritte machen. Weil Sie sich aber nie wirklich fordern, geraten Sie irgendwann auf ein Plateau. Jetzt halten Sie die Leistung nur mehr. Noch etwas später schleichen sich Fehler ein, es ist ja immer dasselbe, die Motivation geht verloren, Sie trainieren seltener, kürzer. Sie bauen ab.

Fordern Sie sich stattdessen ständig und gehen regelmäßig an Ihre Grenzen (nicht darüber hinaus), werden Sie an den immer neuen Herausforderungen ständig wachsen. Natürlich wird es auch einmal ein Plateau geben. Am Ende davon wartet aber schon der weitere Aufstieg, der Fortschritt. Eine Aufwärtsspirale entsteht.

Komfort als Lebensziel

Heute ist Komfort ein Lebensziel, ein Wert, den alle Menschen anstreben. Das kann zu einem Problem werden.
Wenn ich einmal reich bin, heißt es oft, kann ich mir all die schönen Dinge kaufen, die ich haben möchte. Meist sind das Sachen, die man gar nicht braucht, die aber Gemütlichkeit und Sicherheit versprechen. Hat man diese Dinge dann alle, bleibt man in der Komfortzone. Aber Achtung: Gemütlichkeit und Komfort töten die Motivation.

Mythen & Sagen

Schon in alten, überlieferten Mythen und Sagen ist ersichtlich, dass Fortschritt nur außerhalb der Komfortzone möglich ist. Der Held muss sehr oft erst zu einem Abenteuer gedrängt werden. Er selbst ist mit seiner Situation ganz zufrieden, will sie nicht ändern (Er ist in seiner Komfortzone.) Schließlich lässt er sich doch überreden und zieht in ein Abenteuer. (Er verlässt seine Komfortzone.) Erst durch dieses Abenteuer wird er zu dem Helden, dessen Erzählungen über Generationen weitergegeben werden. Wer würde heute Herkules kennen, wenn er, anstatt die legendären zwölf Aufgaben zu erledigen, einfach zu Hause geblieben wäre?

Das Problem mit der Angst

Warum verlassen wir aber nicht öfter unsere Komfortzone? Die Antwort lautet Angst. Die Angst vor dem Unbekannten, dass sich außerhalb unserer Wohlfühlzone befindet, zerrt uns zurück, zieht uns hinunter. Der Ursprung dieser Angst liegt tief in unserem Gehirn. Das limbische System, umgangssprachlich Reptiliengehirn, ist dafür verantwortlich. Dem limbischen System reicht es, wenn wir überleben. Dann ist es schon zufrieden. Das Verlassen der Komfortzone hängt immer mit Veränderung zusammen. Diese ist für unser Reptiliengehirn jedoch gleichbedeutend mit Gefahr. Schließlich könnte hinter der nächsten Ecke ein gefährliches Raubtier lauern.
Wie man sieht, ist das limbische System in der heutigen Gesellschaft nicht mehr ganz zeitgemäß. Leider übt es dennoch großen Einfluss auf uns aus.

Die große Konstante des Lebens

Betrachtet man es nüchtern, ist die einzige Konstante im Leben eines jeden Menschen die stetige Veränderung. Nichts bleibt jemals gleich, denn dass sich alles früher oder später verändert, ist sicher. Leben heißt Veränderung; zu leben bedeutet, sich an diese Veränderungen anzupassen oder langfristig unterzugehen in der eigenen Wohlfühlzone. Das gilt für alle Bereiche: für die Familie, die Arbeit, die körperliche Leistungsfähigkeit, ...
Sobald wir aufhören, uns anzupassen bzw. uns neuen Reizen auszusetzen, geht es bergab.

Wie ausbrechen?

Um wieder rauszukommen, braucht es gar nicht viel. Am Anfang steht die bewusste Entscheidung, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das bringt Vorteile mit sich:

  • Man macht neue Erfahrungen. Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt, möchte man plötzlich nicht mehr vermissen.
  • Der eigene Horizont erweitert sich. Je mehr Erfahrungen man macht, desto mehr wächst man als Mensch. Irgendwann stellen sich emotionale Reife und Weisheit ein, weil man so viel erlebt hat.
  • Nur so lassen sich die eigenen Selbstzweifel besiegen. Der Zweifel nagt so lange an uns, bis wir aufstehen und einfach ausprobieren und tun, worüber wir so lange nachgedacht haben. Meist kommen wir dann zu der Einsicht, dass es gar nicht so schwer ist und der Zweifel verschwindet.

Am besten wird die Komfortzone übrigens mit Hilfe kleiner Schritte verlassen. Dann rebelliert das limbische System nicht so sehr. Sie könnten etwa einmal ein neues Restaurant ausprobieren und etwas bestellen, was sie noch nie gegessen haben. Oder sie laufen bei der nächsten Trainingeinheit einfach fünfzig Meter mehr. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Mit Hilfe dieser kleinen Maßnahmen vergrößern Sie langsam aber stetig ihre Komfortzone und Sie machen neue Erfahrungen.

Es geht hier nicht um Leistung, dieser Artikel soll nicht noch einer sein, der sich einreiht in die ewige Schlange des „immer mehr“. Es muss nicht immer mehr sein. Es sollte jedoch nicht immer dasselbe sein. Neue Erfahrungen, ohne Leistungsdruck. Das ist die Idee.

“Unsere Nahrungsmittel sollen Heilmittel,
und unsere Heilmittel Nahrungsmittel sein.”

Hippokrates