Dienstag, 19. Februar 2013

Wintersport am Berg ist ein echter Jungbrunnen

Schon ab 1400 Metern Höhe ist die Luft spürbar „dünner“ und der Körper muss sich beim Sport stärker anstrengen, um genug Sauerstoff zu bekommen. Dadurch bildet er mehr junge Rote Blutkörperchen (Erythrozyten), was den Sauerstofftransport an die Zellen markant verbessert. Denn frische Blutkörperchen geben viel besser Sauerstoff an das Gewebe ab als verbrauchte. So erlebt der Körper eine spürbare Stärkung und alle Zellen verjüngen sich…

Bis er das tut, fühlt man sich oft ein wenig müde – der Sauerstoffmangel in der „Reizhöhe“ zwischen 1400 und 2000 Höhenmetern wird vom Körper als unspezifischer Stress erlebt, das braucht Energie. Es dauert also ein paar Tage, bis der Jungbrunneneffekt einsetzt – bis die Durchblutung und die Leistungsfähigkeit steigen und man sich frischer, wohler und erholter fühlt. Je mehr rote Blutkörperchen ein Mensch hat, desto besser kann sein Kreislauf Sauerstoff von der Lunge ins Muskelgewebe transportieren.

In der mittlerweile berühmten Höhenstudie AMAS (Forschungsinstitut Humpeler und Schobersberger in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck) vergleicht Professor Dr. Egon Humpeler den Vorgang mit einem Motor: Zuerst dreht er auf, um voll auf Leistung zu kommen. Dann aber am Ende eines Höhenaufenthalts läuft er ruhiger, mit niedrigerer Drehzahl, erbringt dabei aber die gleiche oder sogar die bessere Leistung.
So ist das auch mit dem menschlichen Körper: Der Organismus registriert den moderaten Sauerstoffmangel – die milde Hypoxie – und kurbelt seine Aktivitäten kräftig an. Dann erfolgen die Drosselung dieser vermehrten Aktivitäten und damit eine Ökonomisierung.

Höhentraining hat ja auch den Ruf, die Leistung von Ausdauersportlern zu steigern, wenn sie anschließend Wettkämpfe im Tiefland bestreiten. Birgit Friedmann-Bette, Sportmedizinerin von der Uniklinik Heidelberg, bestätigt das: „Bei der Vorbereitung auf Wettkämpfe in der Höhe hilft Höhentraining. Das ist wissenschaftlich gesichert.“

Mit aktivem Sport am Berg kann man die Sauerstoffabgabe also nachhaltig verbessern.
Aber nicht nur das, Studien haben bewiesen, dass sich Sport in mittleren Höhen auch positiv auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirkt und es zur Reduktion des Körperfettanteils kommt, ganz ohne Diät! Experten sprechen sogar von ein bis zwei Kilo pro Woche!

Außerdem wird die Kondition gestärkt, mehr Sauerstoff bedeutet auch, sich fitter zu fühlen. Geistig wie körperlich. Auch das ist eins der Ergebnisse aus der AMAS-Studie: Nach sechs Tagen Aktiv- und Wellnessurlaub ließen Stresssymptome wie Übermüdung, Energielosigkeit und Unkonzentriertheit deutlich nach und die gestressten Großstädter fühlten sich wohl, erholt und schliefen besser.
Der volle Erholungswert für den Aktivurlauber am Berg stellt sich dann ein bis zwei Wochen nach dem Urlaub ein.

Noch einen Vorteil hat der Urlaub am Berg, der natürlich auch für sommerliches Mountainbiken, Wandern oder Klettern… gilt: Er stärkt das Immunsystem. Zudem haben’s auch Allergiker leichter: Durch die Höhenlage und die damit bedingte trockenere Luft haben es Pollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilze auf Höhen über 1400 Metern nämlich schwer!

“Unsere Nahrungsmittel sollen Heilmittel,
und unsere Heilmittel Nahrungsmittel sein.”

Hippokrates