Freitag, 23. November 2012

Wie funktioniert Trennkost?

Man darf essen, was man will. Man darf essen, soviel man will. Man darf nur nie Proteine und Kohlenhydrate zusammen essen, das ist der Trick. Die Grundidee für diese von Howard Hay 1907 entwickelte Ernährungsform besteht darin, dass Nahrung besser verarbeitet werden kann, wenn Eiweiße und Kohlenhydrate getrennt verspeist werden – und dass dadurch der Fettstoffwechsel in Gang kommt und Gewicht reduziert wird.

Die meisten Artikel zum Thema Trennkost beginnen mit „Die großartigen Italiener essen Gemüse mit Fisch und Fleisch mit Gemüse, aber nie Kartoffel dazu…“ Warum sind viele Italiener dann trotzdem so beleibt, fragt man sich! – Weil sie Salamipizza und Spaghetti Bolognese essen, zum Beispiel! Und das ist bei Trennkost ganz und gar nicht erlaubt. Denn Pizza besteht aus Kohlenhydraten UND Eiweiß (Käse etc.). Nudeln mit Faschiertem/Hack stellt dieselbe Kombination dar… Currywurst mit Pommes ist auch so ein Lebensmittel, von dem man sich bei der Entscheidung zur Trennkost verabschieden muss!

Grundsätzlich gilt: Zwischen einer proteinhaltigen und einer kohlenhydrathaltigen Speise sollen mindestens drei, besser vier Stunden liegen. Nur dann ist man sicher, dass die eine Speise erst auf ihre Weise richtig verdaut wurde, bevor die nächste kommt und auf eine andere Weise verdaut werden muss. Diese Pause zwischen den Mahlzeiten sorgt außerdem dafür, dass das, was im Magen ist, auch komplett verdaut wird und sich nicht „Unverdautes“ mit „Teilverdautem“ mischt.

Die Verdauung der Kohlenhydrate beginnt nämlich im Mund. Verantwortlich dafür ist Amylase, ein Enzym, das in den Speicheldrüsen gebildet wird. Es spaltet die in der Nahrung vorkommende Stärke auf und braucht dafür ein leicht basisches Milieu. Ist es im Mund nicht basisch (weil man z. B. Fleisch dazu isst, das nicht basisch ist), kommt die Stärke kaum aufgespaltet und fast unverdaut in den Magen und den Zwölffingerdarm. Eiweiß dagegen wird im Magen mittels Pepsin und Salzsäure verdaut – und dafür braucht es ein saures Milieu. Werden beide Arten gemischt, tut sich der Körper mit der Verdauung viel schwerer, als bei Trennkost, so die Theorie.

Trennkost ist nicht unumstritten – Kritiker beklagen, dass Trennkost nicht ausgewogen und die Versorgung mit wichtigen Elementen nicht gewährleistet sei. Andererseits spricht der Verdauungsvorgang dafür, sich trennkostmäßig zu ernähren. Das Beste ist wohl, wenn man sich ausgiebig informiert, die Vor- und Nachteile beleuchtet, eine Testwoche startet und sich dann eine eigene Meinung bildet. Denn Trennkost ist keine schnelle Diät, sondern eine Nahrungsmittelumstellung, die ihre abspeckende Wirkung vor allem längerfristig zeigt.

Trennkost-Tabelle – ein schneller Überblick:

Eiweißreiche Nahrungsmittel: Gegartes Fleisch, alle gegarten Wurstsorten, gegarter Fisch, Käse, Eier, Milch und Milchprodukte mit einem Fettgehalt unter 50 Prozent, gekochte Tomaten, gekochter Spinat, Sojaprodukte, Aceto Balsamico, die meisten Früchte sowie Fruchtsäfte, Sekt und trockene Weine.

Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel: Kartoffel, Schwarzwurzel, Grünkohl, Süßungsmittel, Honig, Brot, Reis, Nudeln, Kuchen, alle Getreidesorten, Bananen, Datteln, Feigen, sehr süße Trauben, Bier und Limonaden.

Neutrale Lebensmittel (können mit Eiweiß, mit Kohlenhydraten oder auch untereinander kombiniert werden): Rohe Fleisch- und Wurstwaren wie zum Beispiel Carpaccio, Salami, Speck und roher Fisch, gesäuerte Milchprodukte wie Buttermilch, Sahne, Frischkäse und Mozzarella, Samen, Nüsse – auch Kokosraspeln – Gemüse, Pilze, Avocados, Heidelbeeren, Obstessig, Eigelb, pflanzliche und tierische Fette, Oliven, Schwarztee, Kaffee, grüner Tee, Whisky, Gin, Mineralwasser, Gewürze und Salat.