Sonntag, 14. September 2008

Das große Gähnen

 Nach einem dunklen Winter ist der Serotonin-Spiegel, das „Gute-Laune-Hormon“, im Keller. Was dagegen en masse produziert wird, ist Melatonin – das Schlafhormon. Klar, dass dieses Ungleichgewicht zunächst mal müde macht. Doch bis sich der Hormonhaushalt einpendelt, kann es schon mal zu gröberen Verstimmungen kommen. Ein Umstand, der sich etwa auch in den Unfallzahlen niederschlägt. Im Vergleich zu den Wintermonaten steigt die Unfallzahl pro Tag um bis zu 25 Prozent, sagt Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Eine Reaktionsverzögerung um 0,3 bis 0,4 Sekunden bedeutet bei Tempo 100 einen bis zu acht Meter längeren Bremsweg – das sind mehr als zwei Wagenlängen!

Tipps gegen die Trägheit:
Unsere Tipps gegen die Frühjahrsmüdigkeit können Sie bedenkenlos anwenden. Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht bekannt!

Los, Bewegung! Flottes gehen, Rad fahren, Laufen – Hauptsache an der frischen Luft. Luft und Sonnenschein vertreiben die Müdigkeit, schon eine halbe Stunde im Freien zeigt Wirkung, auch bei bewölktem Himmel.

Mahlzeit. Lieber fünf kleine Portionen als drei große. Viel Obst und Gemüse und nicht sparen mit Vitamin C-haltigen Lebensmittel: Zitrusfrüchte, Sauerkraut, Paprikaschoten, Kiwis, Hagebuttentee und Sanddornsaft. Auch Vitamin E ist hilfreich: Weizenkleie, Nüsse, Milchprodukte, Vollkorn und Eier. Trinken Sie 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag – vor allem Mineralwasser, verdünnte Frucht-, bzw. Gemüsesäfte und Früchtetee.

Wellness weckt. Stimulierende Wechselduschen stärken Herz, Kreislauf und Immunsystem – fünf Mal abwechselnd kurz warm und kalt duschen. Warm, aber oho: die Sauna. Beruhigt die Nerven und regt die Serotonin-Produktion an. Ein warmes Bad, eine Massage oder Aromatherapie wirken freilich nicht nur im Frühjahr – sind aber da besonders wohltuend. Gönnen Sie sich auch genügend Schlaf!

Aktiv starten. Morgengymnastik im Bett kurbelt den Kreislauf an. Legen Sie sich auf den Rücken und räkeln Sie sich kräftig. Dann umfassen Sie mit beiden Händen die Knie und ziehen sie dicht an die Brust. Atmen Sie dabei tief aus. Nach einigen Wiederholungen die Füße abstellen und das Gesäß ein paar Mal nach oben drücken.

Seele wärmen. Leisten Sie sich einen Friseurbesuch, stellen Sie einen Bund Blumen in die Vase, gönnen Sie sich mal was Schönes! Und lachen Sie öfter: Das hebt die Stimmung ungemein.

Übrigens: Die Frühjahrsmüdigkeit ist ein Phänomen, das interessanterweise vor allem die deutschsprachigen Länder lahm legt. In Frankreich zum Beispiel gibt’s das nicht – den Franzosen fehlt zwar nicht die notwendige Sensibilität, dafür aber etwas viel Grundlegenderes: das Wort. Auf Französisch gibt’s schlicht und einfach keinen Ausdruck für „Frühjahrsmüdigkeit“.