Donnerstag, 14. Oktober 2010

Orthomolekulare Medizin – Nährstoffe gezielt einsetzen

„Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit verantwortlich sind.“ Dieser Satz stammt von Linus Pauling, der doppelte Nobelpreisträger und Begründer der Orthomolekularen Medizin. 

Unter Orthomolekularer Medizin ist eine gezielte Nährstofftherapie zu verstehen. Es werden dabei dem Körper bestimmte Substanzen (Vitamine und Vitaminoide, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren, Antioxidantien, Enzyme und Pflanzenstoffe) in konzentrierter Form zugeführt. Das Ziel dabei ist:

  • Durch eine angepasste und dem Stoffwechsel entsprechende Auswahl von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen die Gesundheit zu erhalten und Erkrankungen vorzubeugen.
  • Durch eine zielgerichtete Auswahl geeigneter stützender Bestandteil der Ernährung, biochemisch aktiver Substanzen und Medikamente die Heilung von Krankheiten und Funktionsstörungen zu unterstützen.
  • Durch eine besser Zufuhr von belastungsabhängigen Verbrauchsstoffen, Antioxidantien und Mikronährstoffen die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Normalerweise sollte jeder Mensch bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung alle nötigen Vitamine und Nährstoffe zu sich nehmen. Jedoch komplett ausgewogen ist unsere Ernährung nur selten, und regionale Mangelzustände wie bei Jod oder Selen lassen sich nicht einfach vermeiden. Außerdem können neben schlechter Ernährung eine ungesunde Lebensweise (Stress, Rauchen usw.), außergewöhnliche Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Stillzeit und gewisse Erkrankungen zu einem Ungleichgewicht durch einen Nährstoffmangel im Körper führen. Hier können Defizite mit einer zusätzlichen Portion an Nährstoffen ausgeglichen werden.

Die bekannteste Anwendung der Orthomolekularen Medizin ist die erhöhte Gabe von Vitamin C bei einer Erkältung. Inzwischen wird aber, durch viele Studien untermauert, auch eine Vielzahl anderer Krankheiten der unterschiedlichsten Fachgebiete behandelt. Selen in der Tumortherapie, Folsäure während der Schwangerschaft, Fluor in der Zahnheilkunde, Glucosaminsulfat in der Orthopädie.

Die Grundsätze der Orthomolekularen Medizin sind zunehmen wissenschaftlich belegt und inzwischen auch sehr oft Bestandteil der klassischen Schulmedizin, ohne dass man darüber spricht. Sie kann aber nicht die Schulmedizin ersetzen, sondern nur als eine gute Ergänzung gesehen werden. Grundsätzlich sollte die Nährstofftherapie nicht erst bei Erkrankungen eingesetzt werden, sondern schon zur Prävention.

Ein Mangel an Nährstoffen kann durch Blutuntersuchungen festgestellt werden. Dies ist aber eine sehr aufwendige und teure Prozedur, bei der es auch an Referenzwerten für einzelne Nährstoffe mangelt. Daher greifen viele Mediziner auf die Applied Kinesiology bei der Diagnose zurück. Dabei kann mit Hilfe von Muskeltests festgelegt werden, wie ein Patient auf gewisse Heilmittel reagiert.

Bei der Behandlung werden hoch dosierte Nährstoffe in möglichst reiner Form eingesetzt. Bei der Wahl der Produkte soll darauf geachtet werden, dass der Hersteller auf Zusatzmittel und Füllstoffe verzichtet hat. Die Nährstoffe werden sehr oft kombiniert, um Synergieeffekte zu nutzen. Auch in Nahrungsmitteln kommen einzelne Vitamine nicht gesondert vor. Ein genaues Wissen über die Nährstoffe ist jedoch eine Voraussetzung. Es gibt nämlich auch Präparate wie zum Beispiel Zink und Kupfer, die in Kombination gegeneinander wirken.

Bei der Orthomolekularen Medizin handelt es sich um eine sanfte Behandlungsmethode. Es geht dabei nicht um die hochdosierte Zufuhr von Nährstoffen, sondern um den Ausgleich von regionaler Unterversorgung wie zum Beispiel bei Jod oder Selen, oder bei einem Mehrbedarf wie etwa bei einer Schilddrüsenerkrankung. Es gibt dabei geringe bis gar keine Nebenwirkungen beziehungsweise Kontraindikationen. Es ist jedoch immer ein erfahrener Arzt zu Rate zu ziehen. Bei der Nährstofftherapie werden teilweise Präparate in sehr hohen Konzentrationen verabreicht. Eine Überdosierung kann speziell bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K ungünstige Auswirkungen haben, da sie nicht so schnell über die Nieren ausgeschieden werden können.

Der Umgang mit den vielen Bestandteilen der biologischen Funktion ist sehr anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an die medizinische Weiterbildung. In Österreich gibt es für die Orthomolekulare Medizin kein Diplom der Ärztekammer, es ist jedoch ein Teil der Ausbildung für Applied Kinesiology. Hat ein Arzt dafür ein Diplom, dann sind Sie auch für den Bereich der Orthomolekulare Medizin in guten Händen.