Montag, 15. Oktober 2012

Laufend in ein neues Leben

Grantig, zunehmend abgeschlagen, gestresst, atemlos Ideen hinterher hetzend… Oder leichtfüßig Hindernisse überspringend, kreativ, fröhlich, positiv strahlend…? Könnte es sein, dass zwischen dem einen und dem anderen Zustand wirklich nichts anderes liegt als ein wenig Bewegung – genauer gesagt: Dreimal in der Woche 30 bis 60 Minuten laufen?

Wenn nichts mehr läuft, dann lauf! – Denn Laufen bedeutet, Abstand zu den Situationen, in denen man festsitzt, zu gewinnen. Laufen heißt, sein Herz-Kreislaufsystem zu trainieren, das körperliche (Wohl-)Befinden zu verbessern, Aggressionen abzubauen, richtig durchzuatmen, neue Perspektiven aufzumachen… Denn durch die körperliche Bewegung wird auch die geistige angeregt, Probleme lösen sich dann oft – einfach auf! Das Leben bekommt neuen Glanz.

Klingt gut, wo ist der Haken? – Die ersten Wochen können sehr, sehr anstrengend sein, ohne eisernes „Ich will!“ geht nichts: Ich will abnehmen, ich will fitter werden, ich will mich endlich wieder bewegen können, ich will am nächsten Businesslauf mit meinen Firmenkollegen teilnehmen, ich will dem Alter um ein paar Jahre davonrennen, ich will meine Freundin beeindrucken, ich will in einem Jahr beim New York-Marathon mitlaufen…

Mit diesen Motivationen geht es erst einmal in einen professionellen Laufshop, Schuhe besorgen. Denn ohne perfekt sitzenden Schuh spielen Gelenke und Co schnell verrückt und das kann schmerzende Folgen haben. Sportsocken, atmungsaktive Shirts, Hose und eine Laufjacke für den Herbst machen ebenfalls Sinn – aber dann kann’s losgehen (um Laktattest  und den optimalen Trainingspuls  kümmern wir uns später, sonst wäre die Einstiegshürde für viele viel zu hoch – Hauptsache wir fangen JETZT einmal an): Noch ein Glas Wasser und raus in die Natur!

Schritt für Schritt, die Arme im Rhythmus, gaaanz langsam, nur nicht stehen bleiben, es geht voran! Eine kleine Steigung, schon geht die Puste aus, also noch langsamer, nur 20 bis 30 Minuten müssen wir durchhalten: „Schäm dich nicht, wenn dich beim Laufen anfangs sogar die alte Dame mit dem Pudel überholt!“, sagte schon Laufguru Dr. Ulrich Strunz. Nicht unsere Lungen, auch die Muskeln, Knochen, Bänder, Sehnen und Knorpel brauchen relativ lange, um sich an die Belastungen des Lauftrainings anzupassen.

Zu hohe Intensitäten und zu rasche Umfangssteigerungen überfordern den Körper und führen zu Beschwerden. Man muss nicht unbedingt erfahren, wie unangenehm sich die Schienbeinhaut bemerkbar machen kann, wie lästig (und unheimlich langwierig) eine entzündete Achillessehne ist. Nur um einen Muskelkater kommt man kaum herum. Am Anfang ist fast jeder Muskel darüber „sauer“, dass er sich plötzlich wieder bewegen muss…

Eine Woche ist vergangen, noch eine… Und siehe da, nach spätestens drei Wochen ist die kleine Steigung der 30-Minuten-Strecke schon leichtatmig übersprungen. Neugierig dehnt man die Runde aus, am Morgen, wenn alles glitzert und die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erklettern. Das Herz wird leicht, die Augen strahlen, die Beine traben automatisch vor sich hin. Man wundert sich, worüber man sich unnötig geärgert hat. Und: „Ah, ja, das machen wir dann heute in der Arbeit  so und so…“ – Beeindruckend: „Wau, hast du aber eine Menge Energie, wo kommt die plötzlich her!“