Der innere Schweinehund - der große Feind?

Dienstag, 23. Februar 2016

Der innere Schweinehund - der große Feind?

Jeder Mensch kennt ihn, jeder kämpft gegen ihn. Die Rede ist vom inneren Schweinehund, dieser Stimme, die die Bequemlichkeit der Leistung vorzieht und die sehr mächtig werden kann - wenn man sie lässt!

Gute Vorsätze werden immer wieder aufgestellt. Und immer wieder passiert es, dass man sich nicht daran hält. Grund dafür ist der innere Schweinehund. Oft begegnet man ihm, nachdem erste Widerstände auftreten und nicht mehr alles läuft wie geschmiert. Man fällt zurück in den alten Trott, aus dem man doch ausbrechen wollte. Was kann man tun?

Als erstes kann man sich mit der Frage auseinandersetzen, warum es oft so schwer fällt, gute Vorsätze durchzuhalten. Es hilft, die psychologischen Vorgänge genauer zu kennen. So kann effektiver gegengesteuert werden.

Heute haben viele Sportpsychologen vier Begriffe übernommen, die ein US-amerikanischer Psychologe in den 60er-Jahren bei seinen Untersuchungen über das Zusammenwachsen von Gruppen formulierte: Form, Storm, Norm und Perform. Jeder Begriff steht dabei für eine Phase, die ein Mensch durchschreiten muss, bis eine neue Gewohnheit selbstverständlicher Teil des Lebens geworden ist.

Die erste Phase ist die Form-Phase. Man beginnt mit etwas Neuem, etwa einer neuen Sportart und ist voller Enthusiasmus. Die Freude am Neuen überdeckt alles und man ist extrem motiviert, manchmal sogar übermotiviert.

Hat man diese Phase hinter sich gelassen, tritt man in die Storm-Phase ein. Hier zeigt sich erstmals der Schweinehund. Die Überwindung wird zunehmend schwerer, weil die Euphorie verflogen ist. Es wird lästig. In dieser Phase entscheidet sich, ob man dabei bleibt oder aufgibt. Hat man vorgesorgt, kann man diese Turbulenzen unbeschadet überstehen.

In der dritten Phase setzt, wie der Name Norm-Phase schon andeutet, eine gewisse Gewöhnung ein. Man zieht es einfach durch, auch wenn man lieber etwas Anderes machen möchte. Das ist die Phase, in der sich oft Erfolgserlebnisse einstellen, weil man es trotzdem macht. Man fühlt sich gut.

Dann erreicht man die Perform-Phase. Der gute Vorsatz ist zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden, zu einer Gewohnheit. Die Motivationsfrage stellt sich nicht mehr, man macht es, weil man das “immer” schon getan hat.

Jetzt, wo wir wissen, wie die vier Phasen aussehen, können wir ein paar Dinge daraus ableiten, die uns helfen, über die Schwierigkeiten der Storm-Phase hinwegzukommen.
Grundlage für jeden Erfolg bei der Etablierung neuer Gewohnheiten ist die Vorbereitung. Diese sollte so umfassend wie möglich sein. Schreiben Sie sich einen Schlachplan zusammen. Darin sollten ihre langfristigen Ziele verankert sein. Formulieren Sie diese ganz konkret. Je weniger Interpretationsspielraum die Formulierung zulässt, desto besser. Außerdem sollten Sie sich Bewältigungspläne überlegen. Was machen Sie, wenn der Schweinehund sich meldet? Welche Methoden wählen Sie, um es trotzdem durchzuziehen? Legen Sie das im Vorhinein fest und spielen Sie es regelmäßig im Kopf durch. Dann fällt Ihnen das richtige Handeln leichter, wenn es soweit ist.

Mit ein paar Tricks können Sie es sich zudem einfacher machen, gegen den Schweinehund anzukämpfen. Suchen Sie sich Gleichgesinnte, die das gleiche oder ein ähnliches Ziel haben. Mit einer anderen Person kann man sich besser motivieren und man hält länger durch. Es kann auch helfen, Tagebuch zu führen über seine Erfahrungen mit der neuen Verhaltensweise. Sind Sie ein sehr strukturierter Mensch, können Sie versuchen, Ihre Vorsätze in diese Struktur als fixes Element einzubauen. So erhöhen Sie die Erfolgsaussichten. Dann geht es noch darum, Spaß zu haben. Wollen Sie z. B. mehr Sport treiben, haben aber eine Sportart ausgewählt, die keinen Spaß macht, wird es hart. Suchen Sie sich etwas, das zu Ihnen passt. Sind Sie ein anschlussmotivierter Mensch, ist ein Gruppensport eher geeignet als wenn Sie leistungsorientiert sind und sich ständig verbessern wollen. Wählen Sie in letzterem Fall eine Sportart, wo Sie sich mit anderen messen können. Vergessen Sie nicht auf Abwechslung. Immer das Gleiche zu machen, wird irgendwann einfach langweilig. Dabei müssen Sie aber nicht etwas vollkommen Neues machen. Es reicht schon, ein bisschen Variation in den Ablauf zu bringen.

Zum Schluss gibt es eine gute Nachricht: Sie müssen nicht ewig gegen Ihren inneren Schweinehund kämpfen. Sie können ihn erziehen. Willenskraft brauchen Sie nämlich nur so lange, bis sich eine Gewohnheit ausgebildet hat. Dann geht es ganz automatisch und der Schweinehund meldet sich nicht mehr. Sie haben ihn erzogen und er findet es jetzt gut. Studien zeigen, dass es durchschnittlich 66 Tage dauert, bis sich eine neue Gewohnheit etabliert hat. Das bedeutet, dass Sie durchschnittlich nur etwas mehr als zwei Monate durchhalten und diszipliniert sein müssen. Danach haben Sie es geschafft und es läuft, weil ihr innerer Schweinehund artig geworden ist.