Chia-Samen: Was sie wirklich können

Dienstag, 23. Juni 2015

Chia-Samen: Was sie wirklich können

Das neue Super-Trend-Top-Nahrungsmittel und aktueller “Gott” unter den Superfoods sind momentan eindeutig die Chia-Samen. Im Internet findet man unzählige Artikel über sie. Darin steht, welche hervorragenden Eigenschaften sie doch haben, welche positiven Wirkungen auf die Gesundheit und was nicht noch alles. Liest man sich etwas ein, bekommt man das Gefühl, dass es nichts gibt, was diese Samen nicht können. Wie sieht es aber mit den harten Fakten aus? Halten die Versprechungen der Marketingmaschinerie, die sowieso bald wieder auf ein neues, noch “besseres” Superfood aufspringt und die Chia-Samen links liegen lassen wird, der Wirklichkeit stand? Ein nüchterner Faktencheck.

Der Chia-Samen ist der Samen einer südamerikanischen Pflanzenart aus der Gattung Salbei, die ursprünglich hauptsächlich in Mexiko vorkam. Da die Pflanze zu Fäulnis neigt, wächst sie nur in Gegenden, in denen es nicht übermäßig regnet. Heute wird sie auch in anderen südamerikanischen Ländern angebaut und sogar in Australien. Sie ist einjährig und wird bis zu 1,75 Meter hoch. Ihre Blüten sind entweder weiß oder leuchtend blau. Die Samen können weiß oder schwarz sein.

Zur Zeit der Azteken waren Chia-Samen ein Grundnahrungsmittel, dass auch teilweise als Heilmittel eingesetzt wurde. Durch die Zerstörung des Aztekenreich geriet das Wissen um diese Pflanze aber in Vergessenheit. Bis vor ein paar Jahren.

Kommen wir nun zu den Inhaltsstoffen, also den Bereich, auf den es ankommt, will man sich die Wertigkeit der Chia-Samen ansehen.

Ganz grundsätzlich enthalten Chia-Samen bis zu 38 % Chiaöl, um die 20 % Proteine, rund 40 % Kohlenhydrate und eine ganze Reihe von Vitaminen, Mineralstoffen, Folsäure und Antioxidantien.  So weit, so wenig Info. Denn auch Leinsamen haben zum Beispiel eine ähnliche Zusammensetzung.

Chiaöl beinhaltet einen sehr hohen Anteil von essentiellen Fettsäuren, wobei Omega-3-Fettsäuren bis zu 60 % und Omega-6-Fettsäuren ungefähr 18 % ausmachen. Auch hier kann man Leinsamen als Vergleich heranziehen, weil es sich dort wiederum in etwa gleich verhält.

Bei genauerer Betrachtung fallen aber ein paar Dinge auf: Obwohl Lein- und Chia-Samen auf den ersten Blick ähnliche Inhaltsstoffe haben, ist die Inhaltsstoffkonzentration eine andere. So enthalten Chia-Samen bspw. nicht nur eine größere Anzahl verschiedener Mineralstoffarten als Leinsamen, viele sind auch in einer höheren Konzentration zu finden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Chia-Samen sehr lange haltbar sind. Bei Raumtemperatur sind sie an einem dunklen Ort problemlos zwei bis vier Jahre haltbar. Da können Leinsamen, vor allem geschrotete, nicht mithalten.

Fazit: Der Faktencheck lässt zwei Schlüsse zu: Ja, es stimmt, Chia-Samen sind gesund und ein hervorragendes Mittel, um sich ausgewogen zu ernähren. Mit ihrer hohen Nährstoffdichte übertreffen sie viele andere Nahrungsmittel und so können sie einen positiven Beitrag zur Gesundheit leisten. Außerdem sorgen Chia-Samen für Abwechslung in der Küche.

Und nein, es stimmt nicht, dass Chia-Samen das Wundermittel sind, als das sie oftmals angepriesen werden. So etwas gibt es nämlich nicht. Sie sind zwar sehr gesund, einige Dinge, die ihnen nachgesagt werden, stimmen aber einfach nicht. Bislang konnte bspw. in Studien nicht nachgewiesen werden, dass sie beim Abnehmen helfen, wie oft behauptet wird.

P.S.: Vor allem für Veganer und Vegetarier sind Chia-Samen interessant, weil sie eine hervorragende Eiweiß- und Calciumquelle sind.