Die Epidemie des 21. Jahrhunderts

Mittwoch, 09. Dezember 2015

Die Epidemie des 21. Jahrhunderts

Diabetes Typ 2 ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Alleine in der EU leiden schon fast 10 Prozent der Bevölkerung an dieser Krankheit. Dabei sind die Ursachen meist hausgemacht.

Heute leiden doppelt so viele Menschen an Diabetes wie noch vor 15 Jahren. Die Krankheit hat mittlerweile hinsichtlich Neuerkrankungen und Ausbreitung beträchtliche, ja beunruhigende Ausmaße angenommen.

Bei Diabetes handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, von der es zwei Arten gibt. Bei Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr. Dieses muss dann künstlich zugeführt werden. In 90 Prozent der Fälle liegt jedoch Typ 2 vor. Ein Kennzeichen dafür ist ein hoher Blutzuckerspiegel. Typ 2 ist auf eine mangelnde Verwertung von Insulin zurückzuführen.

Interessanterweise breitet sich Diabetes in einer Zeit aus, in der die Medizin ihre Methoden immer weiter verfeinert. Mittlerweile wird schon davon gesprochen, dass die Medizin zwar den Kampf um die Blutzuckerkontrolle gewinnt, aber der Krieg gegen Diabetes verliert.

Das hängt mit der Verteilung der Krankheitsfälle zusammen: Waren früher vor allem Menschen in den Industrienationen betroffen, wurden die Krankheit quasi in ärmere Länder exportiert. Da immer mehr Menschen in Entwicklungsländern so leben wie Menschen in den Industrienationen, erkranken sie auch häufiger. Das führt zu der paradoxen Situation, dass die Medikamente zur Behandlung zwar immer besser werden, immer mehr Menschen aber an der Krankheit leiden, die sich diese Medikamente nicht leisten können.

Ein rein medizinischer Ansatz ist nicht die Lösung. Alleine die Kosten wären astronomisch. Schon heute gibt die EU jährlich einen dreistelligen Milliardenbetrag für die Diabetesbekämpfung aus. Das sind rund 10 Prozent der jährlichen Gesamtausgaben für Gesundheit. Und das für eine Krankheit, die in den meisten Fällen vermeidbar wäre.

20 Prozent der in den letzten Jahrzehnten neu aufgetretenen Diabetesfälle sind auf unveränderliche Risikofaktoren zurückzuführen, wie etwa die gestiegene Lebenserwartung.

Verantwortlich für 80 Prozent der Fälle sind aber schlechte Angewohnheiten, Übergewicht, Adipositas, wenig Bewegung und sozioökonomische Nachteile. Die meisten dieser Ursachen sind durch eine Änderung des Lebensstils in den Griff zu bekommen. Hat man Übergewicht und deshalb Diabetes Typ 2, verschwindet die Erkrankung, wenn man abnimmt und sich wieder dem Normalgewicht nähert. Leider nehmen die meisten Menschen eher Medikamente, als ihren Lebensstil zu ändern. Dabei können kleine Verhaltensänderungen in punkto Ernährung und Bewegung, wie Studien gezeigt haben, innerhalb von sechs Jahren zu einem um 58 Prozent verringerten Erkrankungsrisiko führen. Mit einfachen Maßnahmen kann man sein Erkrankungsrisiko also stark verringern.

Eine interessante, spannende Entwicklung zeichnet sich in der westlichen Welt gerade ab. Noch nie haben die Menschen so ungesund gelebt wie heute, die Menschen waren aber auch noch nie so gesundheitsbewusst. Leider handelt es sich dabei nicht um die selben Personen, weshalb Diabetes weiter auf dem Vormarsch ist.